Die Geschichte des Großen Waisenhauses in Potsdam
Seit 1753 prägt dieses Gebäude einen Teil der Potsdamer Stadtgeschichte – von der Soldatenkaserne über das Lazarett bis zum heutigen Hotel.
Von der Kaserne
zum Hotel.
Unter dem preußischen König Friedrich II. errichtete der Baumeister Jan Bouman im Jahr 1753 das langgestreckte Gebäude als Kaserne für sogenannte „beweibte“, also verheiratete Soldaten.
Im Laufe von mehr als 270 Jahren wurde das Haus immer wieder neuen Aufgaben angepasst. Es diente unter anderem als Lazarett für die Zöglinge des Potsdamschen Großen Waisenhauses, als Kinder- und Flüchtlingsheim, als Zeitungsredaktion und zeitweise sogar als Suppenküche.
Seit 2011 befindet sich in einem Teil dieses historischen Gebäudes das Hotel am Großen Waisenhaus.
Der Anfang
im 18. Jahrhundert.
Das Gebäude wurde 1753 von Jan Bouman als Kaserne für verheiratete Soldaten errichtet. Die für Potsdam typische barocke Architektur bestimmt den Charakter des Hauses bis heute.
Vom Soldatenquartier
zum Kinderlazarett.
Im Jahr 1820 erhielt das Potsdamsche Große Waisenhaus die sechs Einzelhäuser im Zuge eines Grundstückstausches. In den folgenden Jahren wurden die Gebäude miteinander verbunden und zu einem Lazarett für die Zöglinge des Waisenhauses umgebaut.
Dabei entstanden unter anderem der charakteristische, rund 80 Meter lange Flur im Obergeschoss sowie der Treppenhausanbau auf der Hofseite.
Im Erdgeschoss befanden sich Verwaltungsräume und Wohnungen für Arzt, Lehrer und Inspektor. Im Obergeschoss lagen die Krankenstuben sowie die Zimmer der Krankenwärterinnen.
- 1 Oberarzt
- 1 Oberchirurg und 1 Chirurg
- 1 Krankenwärter
- 3 Krankenwärterinnen
- 1 Lehrer
- 1 Lazarett-Inspektor
- Reinigungs- und Küchenpersonal
- Nachtwächter und Torhüter
Zu besonderen Festtagen versammelten sich bis zu 600 Kinder im großen Speisesaal.
Zu hohen Festtagen, beispielsweise zum Geburtstag des Königs, begann der Tag mit Musik, Turmblasen und einer Parade. Anschließend erhielten die Kinder ein besonderes Festessen.
Traditionsgemäß standen Milchreis mit Zucker und Zimt, Schweinebraten, Backpflaumen und Wein auf dem Speiseplan. Am Abend bildete der sogenannte „Kiepenbrand“ auf dem Hof den Abschluss des Festtages.
Ein Gebäude.
Viele Nutzungen.
Ende des Lazarettbetriebs
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden im Waisenhaus und im angeschlossenen Lazarett noch Kinder betreut. Anschließend wurde das Gebäude zunächst als Kinder- und Flüchtlingsheim genutzt.
Neue Nutzungen
Nach der damaligen Auflösung der Stiftung wurde das Haus unterschiedlich genutzt, um Mieteinnahmen zu erzielen. Verschiedene Einrichtungen und Organisationen bezogen Räume in dem historischen Gebäude.
Zeitungsredaktion
Unter anderem befanden sich hier Redaktionsräume der Brandenburgischen Neuesten Nachrichten und später der Potsdamer Neuesten Nachrichten.
Soziale und kulturelle Nutzung
Zu den weiteren Nutzern gehörten unter anderem eine Suppenküche der Volkssolidarität, das Haus der Jugend sowie verschiedene weitere Mieter.
Historische Substanz.
Neue Aufgabe.
Das denkmalgeschützte Gebäude befand sich vor seinem Umbau in einem schlechten baulichen Zustand. Gesucht wurde eine neue Nutzung, die dem historischen und barocken Charakter des Hauses gerecht wird.
Am 1. April 2011 eröffnete das Hotel am Großen Waisenhaus. Historische Architektur und erhaltene Details treffen seitdem auf zeitgemäßen Hotelkomfort.
Bei der Entwicklung des Hotels spielte auch der ursprüngliche Stiftungszweck eine Rolle. Das Projekt sollte Möglichkeiten schaffen, benachteiligte Jugendliche bei ihrem Einstieg in Ausbildung und Berufsleben zu unterstützen.
Originale barocke
Bausubstanz.
Trotz der vielen Veränderungen sind bis heute historische Elemente des Gebäudes erhalten geblieben.
Historische Fenster
Mit barocken Beschlägen wie Winkelbändern, Reibern, Ziehknöpfen und Stützkloben.
Tragende Wände
Ein großer Teil der tragenden Gebäudestruktur stammt noch aus der barocken Bauzeit.
Historische Türzargen
Im Hofbereich sind noch zwei originale historische Türzargen erhalten.
Barocke Blindfenster
Am Giebel des Hauses befindet sich historische Imitationsmalerei in Secco-Technik.
Die Geschichte lebt
bis heute weiter.
Bis 1945 lebten und lernten Kinder im Großen Waisenhaus und wurden im dazugehörigen Lazarett betreut.
Mehr als 150 ehemalige Bewohner waren später noch in einem Ehemaligen-Verein verbunden und trafen sich regelmäßig in Potsdam. Die Lebenswege führten einige von ihnen bis nach Kanada, in die USA und nach Australien.
Geschichte erleben.
Potsdam entdecken.
Übernachten Sie in einem Haus, dessen Geschichte bis heute an vielen Stellen sichtbar geblieben ist.